Die Forstwirtschaft als Klimasünder – auch in der Biosphäre Bliesgau?

Angesichts des großflächigen Absterbens der Koniferenmonokulturen werden derzeit Wälder kahlgeschlagen, geräumt und wiederaufgeforstet. So will man dem Klimawandel trotzen. Die Wälder im Biosphärenreservat Bliesgau haben unter den heiß-trockenen Sommern der vergangenen Jahre ebenfalls gelitten. Besonders die hier standortfremde Fichte kommt mit diesen Bedingungen nicht mehr zurecht. Und leider hat auch der Forst in der Biosphäre mit Kahlschlägen auf das Baumsterben reagiert. Dabei haben diese „Waldräumungen“ verheerende Auswirkungen auf die jeweiligen Waldökosysteme und auf das Klima. Gerade in einem Biosphärenreservat als „Modellregion für nachhaltige Entwicklung“ sind Kahlschläge fehl am Platz. Höchste Zeit, dem Forst in der Biosphäre Bliesgau genauer auf die Finger zu schauen.

Wie gravierend die Schäden für Natur und Klima nach Kahlschlägen sind, zeigt ein Bericht von ZDF frontal vom 16. November. Auf der Homepage zur Sendung heißt es:

„Waldräumung“ lautete das Patentrezept vieler Förster gegen das Massensterben der Bäume. Und verantwortliche Politiker stimmten zu: „Wir müssen die Wälder räumen!“, forderte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner 2019 auf einem Wald-Krisengipfel. Bund und Länder stellten 1,5 Milliarden Euro bereit: für Kahlschläge, Waldräumung, Wiederaufforstung. Das Ergebnis begutachtet Pierre Ibisch im Oberharz auf der Kahlfläche. Er fährt mit seiner Hand in die ausgetrocknete Erde, voller Steine. „Hier wird kein Wasser mehr gespeichert. Es wird Jahrhunderte dauern, bis hier wieder ein Waldboden entstehen kann – wenn denn hier Wald wächst.“ Ibisch ist Forschungsprofessor an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde und hat für die Umweltorganisation Greenpeace Kahlschläge in Deutschland untersucht. Was einst fruchtbarer Waldboden war, ist heute schwer geschädigt, vor allem von schweren Maschinen, die das Totholz abtransportierten. „Dieser Boden hat keine Wasserspeicherfähigkeit mehr“, sagt Ibisch und steht auf. „Mich schockiert, dass vergessen wurde, dass Wald nicht nur aus Bäumen besteht, sondern ganz wesentlich aus Boden.“

(…) auf den Kahlflächen gast der Boden CO2 aus, jahrelang, erklärt Ibisch. Für Greenpeace (der Wald in Deutschland auf dem Weg in die Heißzeit) hat er berechnet: Jedes Jahr mindestens 1,2 Millionen Tonnen CO2 aus den Kahlschlagsflächen. Aus dem Klimaschutz-Wald wurde ein handfestes Klimaproblem. Zeit für eine Abkehr von der Kahlschlagspolitik? Das Bundesministerium von Julia Klöckner möchte auf diese Frage des ZDF keine Antwort geben. Und die neue Regierung in spe hat zum Wald als Klimaschützer bisher nichts konkretes verkündet.

Der komplette Beitrag von ZDF frontal findet sich hier: https://www.zdf.de/nachrichten/politik/klima-wald-kahlschlag-100.html

Der direkte Link zur Sendung vom 16.11.21 hier: frontal

Passend zum Thema:

In einem Kurzvideo vom 16.11.21 auf Facebook berichtet Peter Wohlleben über eine Strafanzeige, die er und Pierre Ibisch wegen Kahlschlägen in Schutzgebieten eingereicht haben: 
https://de-de.facebook.com/PeterWohlleben.Autor/videos/strafanzeige-erstattet/474798967296972/?__so__=permalink&__rv__=related_videos

Hier kommentiert Wohlleben den Beitrag von ZDF frontal, ebenfalls auf Facebook:
https://de-de.facebook.com/PeterWohlleben.Autor/videos/zdf-frontalhttpswwwzdfdepolitikfrontalfrontal-vom-16-november-2021-100html/937945940432604/?__so__=permalink&__rv__=related_videos

Ganz aktuell der Text der Strafanzeige online, zum Download als PDF auf Wohllebens Wald und Wildnis gGmbH, direkter Link aus Wohllebens Facebook-Seite auf die Homepage der gGmbH:
https://www.wald-wildnis.de/projekte/montabaurer-hoehe

Foto (c) E.M.