Spinnen, Artenschwund & Biosphäre

„Ausgesponnen – Vom Schwinden der Spinnen auf den Fluren“, so ist der kleine aber feine Beitrag des renommierten Zoologen und Evolutionsbiologen Prof. Dr. Josef H. Reichholf in der aktuellen Ausgabe des Naturschutzmagazins der Naturschutzinitiative (NI) überschrieben. Rechtzeitig zum Altweibersommer hält Reichholf ein leidenschaftliches Plädoyer für den Schutz der faszinierenden Spinnentiere. Zitat:

Gärten sind für die Artenvielfalt der Spinnen zu wichtigen Refugien geworden. In Gärten werden sie (hoffentlich) nicht vergiftet, wie das draußen auf den Fluren geschieht und bis in die Ränder der Wälder wirkt. Spinnen gehören zu den wichtigsten Futterquellen für Kleinvögel. Manche nutzen Spinnfäden zum Festigen ihrer Nester. Dringend müsste untersucht werden, in welchem Umfang die wenigen Spinnen, die noch an den Ränder der Fluren ihre Netze spannen, belastet sind von Giften, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Die neuen Befunde zur Verfrachtung von Pflanzenschutzmitteln weit hinaus über deren Anwendungsflächen wecken dazu schlimme Befürchtungen. Es sollte uns betroffen machen, dass vielerorts keine Silberfäden mehr mit dem Herbstwind durch die Luft driften.

Dieser interessante Artikel des Naturschutzmagazins der NI (https://www.naturschutz-initiative.de/images/PDF2021/2021-03-NM-Ausgesponnen-vom-Schwinden-der-Spinnen.pdf) beleuchtet einen Teilaspekt der Biodiversitätskrise, die unsere Lebensgrundlagen vielleicht noch stärker als der Klimawandel bedroht. Auch unserer Region ist von dieser dramatischen Entwicklung nicht ausgenommen – allein schon der unaufhörliche Rückgang der Feldvogelbestände ist erschreckend. Die Entscheider der Biosphäre Bliesgau stehen in der Pflicht, sich an den verschiedenen „Fronten“ (Forstwirtschaft, Landwirtschaft…) viel konsequenter als das bisher geschehen ist, für Natur- und Artenschutz einzusetzen und sich um Klimaschutzmaßnahmen zu bemühen, die dem Schutz der Artenvielfalt nicht zuwiderlaufen.

Die Erkenntnis, dass Klimawandel und Artenschwund zwei Seiten einer Medaille sind und dass diese Krisen nicht isoliert voneinander betrachtet werden dürfen, setzt sich immer weiter durch. Die Schweizer Akademie der Naturwissenschaften bringt dies in einem aktuellen Faktenblatt folgendermaßen auf den Punkt:

Der Klimawandel und der Verlust der biologischen Vielfalt stellen eine Bedrohung für die Menschheit dar. Beide Krisen hängen zusammen, verstärken sich gegenseitig und müssen darum auch gemeinsam angegangen werden. Dafür ist eine Vielzahl aufeinander abgestimmter Vorgehensweisen sowie systemisches Denken und Handeln nötig. Maßnahmen gegen Klimawandel und Biodiversitätsverlust können sich gegenseitig unterstützen. Ohne Abstimmung besteht hingegen das Risiko, dass unbeabsichtigte Wirkungen und Zielkonflikte die Krisen noch verschärfen. Am wirkungsvollsten sind Maßnahmen gegen die grundsätzliche Ursache beider Krisen: unsere nicht nachhaltige Lebensweise. Dies bedingt einen grundlegenden Wandel hin zu einem Ressourcenverbrauch, der die Belastbarkeitsgrenzen der Erde respektiert.“
Quelle:
https://scnat.ch/de/uuid/i/4bb62ca1-4819-570d-beb1-ee58eabea746-Klimawandel_und_Biodiversit%C3%A4tsverlust_gemeinsam_angehen